Zahlen & Fakten zum Ärztemangel in der Bundesrepublik Deutschland

Herausforderungen

Bis zum Jahre 2030 scheiden bundesweit rund 50 Prozent aller Allgemeinmediziner (d.h. Hausärzte) aus dem Berufsleben aus. In Zahlen ausgedrückt: Mehr als 10.000 Hausärzte werden zu diesem Zeitpunkt in der ambulanten Versorgung fehlen. Bereits heute sind mehr als 2.300 Hausarztsitze dauerhaft aufgrund fehlenden Nachwuchses unbesetzbar. Dies bedeutet, dass In den kommenden 10-12 Jahren nur 50 Prozent der Ärzte für eine 1:1-Nachbesetzung zur Verfügung stehen. Auf dem Lande sind es gar nur 10-20 Prozent. Daraus folgt, dass nur jede 3. bis 5. Gemeinde im ländlichen Raum in Zukunft eine Hausarztpraxis aufrechterhalten kann. Die Kommunen stehen um die zu knappe Ressource "Hausarzt" im Wettbewerb untereinander. Eine wohnortnahe hausärztliche Grundversorgung wird vielerorts nicht länger zu gewährleisten sein. Eine steigende Entfernung zur nächstgelegenen Hausarztpraxis wird die Folge sein und dies vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung. Die junge Ärztegeneration fordert flexible Arbeitszeiten, das Arbeiten im ärztlichen Team, sowie die Möglichkeit der Teilzeit. Ein Einzelkämpferdasein in einer Ein-Mann-Arztpraxis können sich nur wenige vorstellen. Die klassische Einzelpraxis ist vielerorts überwiegend ein Auslaufmodell, effizientere und größere Einheiten mit delegativen Strukturen sind erforderlich. Solche Mehrbehandlerpraxen werden in Zukunft die hausärztliche Versorgung eines größeren Einzugsgebiets leisten (müssen).

Anforderungen der Generation Y

Als „Generation Y“ wird allgemein die Bevölkerungskohorte der Geburtsjahrgänge 1980 bis 2000 bezeichnet. Sprechen wir vom Hausärztemangel in Deutschland sind sie die zentralen künftigen Nachrücker-Ärzte bis etwa zum Jahr 2030. Die Generation Y will zum überwiegenden Teil bzw. fast ausschließlich (zunächst) im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses mit geregelten Arbeitszeiten tätig sein. Ärztinnen bevorzugen zudem eher Teilzeittätigkeiten. Die Mehrheit der angestellten Ärzte im ambulanten Bereich arbeitet heutzutage im Schnitt 28 Wochenstunden. Eine Einzelpraxis mit einer Arbeitsbelastung von bis zu 60 Wochenarbeitsstunden oder mehr wirkt da eher abschreckend. Die steigende Anzahl weiblicher Medizinstudenten verschärft diesen Umstand. Eine Praxisübernahme ist damit regelmäßig erst für eine spätere Berufs- und Lebensphase vorstellbar. Damit ist die Einzelpraxis auch aus dieser Perspektive ein Auslaufmodell und die Notwendigkeit einer Transformation in Richtung Mehrbehandlerpraxen aufgezeigt.

Lösungen Politk

Von den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen ist eine Beteiligung von Kommunen z.B. an einem MVZ in Form einer GmbH oder sogar eines Eigenbetriebs bundesweit seit 2015 rechtlich möglich. Derzeit existieren bereits in mehreren Bundesländern erste Kooperation solcher Art. Tendenz steigend. Die Handlungsbefugnis der Kommune ist zudem jedoch abhängig vom jeweiligen Bundesland und teilweise sogar vom Landkreis. Hier sind die Einstellungen zu einer formalen Beteiligung von Kommunen z.B. an einem MVZ noch unterschiedlich. Bayern gibt hier mit einem kürzlich veröffentlichten Gutachten "pro kommunalem Medizinischem Versorgungszentrum" einen deutlichen Anschub. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in Auftrag gegebene sog. Ermöglichungsgutachten ist dabei wegweisend. Gleichzeitig sollen durch Absprache mit dem Innenministerium die Hürden seitens der Kommunalaufsicht gesenkt werden. Diese positive und unterstützende Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren bundesweit fortsetzen. Die Zahl kommunaler Medizinischer Versorgungszentren liegt derzeit bei rund 20, im Jahr 2020 wird es Branchenexperten zufolge zwischen 40 und 70 solcher Versorgungsformen in Deutschland geben.

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