Die wirtschaftliche Lage vieler Arzt- und Psychotherapeutenpraxen hat sich im Jahr 2023 weiter verschlechtert. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels (ZiPP). Demnach sind die realen Jahresüberschüsse der rund 80.000 ärztlichen und 29.000 psychotherapeutischen Praxen im Vergleich zum Vorjahr um 13,3 Prozent gesunken. Bereits 2022 hatte es inflationsbereinigt einen Rückgang von 4,7 Prozent gegeben. Für den Zeitraum von 2020 bis 2023 ergibt sich damit im Durchschnitt ein realer Rückgang der Jahresüberschüsse von 3,4 Prozent pro Jahr.
Einnahmen sinken, Kosten steigen weiter
Während die Gesamteinnahmen der Praxen im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent zurückgingen, stiegen die Gesamtaufwendungen erneut um 3,5 Prozent. Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet hatte: Die Einnahmen wachsen nicht mehr im gleichen Maß wie die Kosten – inzwischen fallen sie sogar zurück.
Noch 2021 hatten viele Praxen von einem deutlichen Einnahmenanstieg profitiert. Dieser lag bei 10,3 Prozent und war vor allem auf Sondereffekte im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfkampagne zurückzuführen. 2022 schwächte sich das Wachstum bereits deutlich auf 3,4 Prozent ab, bevor die Einnahmen 2023 erstmals ins Minus drehten. Über den gesamten Zeitraum von 2020 bis 2023 legten die Einnahmen insgesamt um 11,1 Prozent zu.
Demgegenüber stiegen die Gesamtaufwendungen im selben Zeitraum um 17,6 Prozent und damit stärker als die allgemeine Preisentwicklung von 16,7 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich damit, dass die wirtschaftliche Belastung der Praxen nicht nur durch allgemeine Inflation, sondern auch durch strukturell steigende Betriebskosten geprägt ist.
Personalkosten bleiben größter Kostentreiber
Als wesentlicher Belastungsfaktor erweisen sich weiterhin die Personalausgaben. Sie stiegen zwischen 2020 und 2023 um 26,5 Prozent und machen inzwischen rund 58 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Allein im Jahr 2023 lagen die Personalaufwendungen je Praxisinhaber im Durchschnitt bei 106.200 Euro.
Auch die Kosten für Mieten und Nebenkosten entwickelten sich spürbar nach oben. Seit 2020 stiegen sie um 12,2 Prozent. Eine wesentliche Rolle spielte dabei auch die Energiekrise nach Beginn des Ukrainekrieges. Die Aufwendungen für Material und Labor erhöhten sich im Zeitraum von 2020 bis 2023 dagegen vergleichsweise moderat um 2,7 Prozent.
Auffällig ist zugleich der erneute Rückgang bei den Abschreibungen. Diese sanken 2023 um 12,9 Prozent, nachdem sie bereits 2022 um 12,3 Prozent zurückgegangen waren. Dies deutet auf eine rückläufige Investitionstätigkeit in den Jahren 2020 und 2021 hin, die sich zeitversetzt in geringeren Abschreibungen der Folgejahre niederschlägt.
Rückgang vor allem bei den GKV-Einnahmen
Besonders problematisch ist die Entwicklung bei den Einnahmen aus kassenärztlicher Tätigkeit. Diese machten 2023 rund 80 Prozent der Gesamteinnahmen aus und gingen gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent zurück. In den Jahren 2021 und 2022 waren hier noch Zuwächse von 12 beziehungsweise 3,8 Prozent verzeichnet worden.
Anders entwickelte sich dagegen der Bereich der Privateinnahmen. Hier kam es 2023 zu einem Anstieg von 6,7 Prozent. Die Zahlen zeigen damit deutlich, dass das wirtschaftliche Defizit insbesondere aus dem GKV-Bereich stammt.
Strukturelle Probleme treten klarer zutage
Nach Einschätzung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung haben die pandemiebedingten Sondereffekte, insbesondere aus der Impfkampagne, die wirtschaftliche Lage vieler Praxen nur vorübergehend stabilisiert. Mit dem Wegfall dieser Sonderfaktoren treten die strukturellen Probleme nun umso deutlicher hervor.
Steigende Personal- und Betriebskosten treffen auf begrenzte oder sogar rückläufige Einnahmen. Das führt zu einer andauernden Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation vieler Praxen. Besonders gravierend ist, dass die Jahresüberschüsse 2023 erstmals seit Beginn der Zeitreihe auch nominal zurückgingen – und zwar um 8,2 Prozent.
Risiken für die ambulante Versorgung
Die Ergebnisse des ZiPP machen deutlich, dass diese Entwicklung nicht ohne Folgen für die ambulante Versorgung bleiben wird. Wenn Kostensteigerungen dauerhaft nicht durch entsprechende Vergütungsanpassungen ausgeglichen werden, steigt der wirtschaftliche Druck auf bestehende Praxen weiter an. Zugleich könnte dies die Niederlassungsbereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte beeinträchtigen.
Damit wird die wirtschaftliche Stabilität der Praxen zunehmend zu einer zentralen Frage der Versorgungspolitik. Eine anhaltende relative oder absolute Kürzung der Vergütung dürfte sich langfristig negativ auf das Leistungsniveau der ambulanten Versorgung auswirken.
Hintergrund zum Zi-Praxis-Panel
Mit dem Zi-Praxis-Panel erfasst das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung seit 2010 jährlich die wirtschaftliche Lage niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten. Grundlage der Auswertungen sind die steuerlichen Überschussrechnungen der Praxen.
Die aktuellen Ergebnisse der Vorabinformation beruhen auf der im ersten Halbjahr 2025 durchgeführten Erhebung und beziehen sich auf die Berichtsjahre 2020 bis 2023. An der Erhebung nahmen 2.829 Praxen aus der vertragsärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung teil, davon 1.932 mit vollständigen Angaben über alle vier Jahre. Die endgültigen Ergebnisse sollen zu einem späteren Zeitpunkt im Jahresbericht veröffentlicht werden.
Quelle: Zi, Berlin, Pressemitteilung vom 31. März 2026

